Donnerstag, 13. Februar 2014

Sargzwang

Abschaffung des Sargzwangs in Baden-Württemberg

Ende März 2014 soll im Landtag von Baden-Württemberg über die Abschaffung des Sargzwangs entschieden werden. In diesem Fall würde ich mir eine direkte Demokratie wie in der Schweiz wünschen.

Dann könnten die Landtagsabgeordneten nicht so gedankenlos über Regelungen entscheiden, von denen schon im voraus feststeht, wie die Sache ausgeht. Irgendwann einmal, vermutlich im Sommerloch, tauchte bei einigen Mitgliedern des Landtages der dringende Wunsch auf den religiösen Gebräuchen unserer muslimischen Mitbürger Rechnung zu tragen. Man möchte nicht länger, dass diese ihre Verstorbenen in ihre Heimat fliegen um sie dort zu beerdigen. Da muss nun dringend Abhilfe geschaffen werden. Ein paar klugen Köpfen kam spontan die Idee, man müsse doch lediglich die Sargpflicht aufheben und schon ist wieder Toleranz demonstriert.Wenn die Andersgläubigen ihre Toten in den üblichen Leinentüchern bestatten dürfen, gibt es ja keinen Grund mehr diese in die Heimat zu verbringen. Da hat man mal wieder gezeigt, dass wir  gute Christenmenschen sind.


Kurz gedacht, wie in der Politik so üblich, ist man sich unter Abgeordneten ganz einig, dass diese Regelung selbstverständlich ausschließlich für Muslime und Juden zu gelten hat. Für Christen und alle anderen gilt, klarer Fall, weiterhin die absolute Pflicht seine Verblichenen in teuren Särgen zu beerdigen, sebst dann, wenn diese anschließend im Krematorium einer Feuerbestattung zugeführt werden.da verwundert es doch sehr, dass eine Feuerbestattung nicht vornehmlich Hindus vorbehalten bleibt, galt diese Art der Bestattung den Katholiken Deutschlands in den 60er Jahren noch als vollkommen gotteslästerlich, und Gotteslästerern konnte es  in der Vergangenheit passieren, dass die frommen Christen sie überhaupt nicht auf dem Friedhof bestatten wollten (siehe Voltaire). Andererseits existiert heute auch eine Friedhofspflicht. Unsere Regierung gibt der Kirche immer noch sehr viel Macht die Bürger zu bevormunden.Inzwischen ist es leichter sich als schwul zu outen denn als Atheist. Als guter Christ braucht man eben ein klares Feindbild.


Es ist äußerst zynisch die Leinentuch- Bestattung als "Billigvariante" einer Beisetzung zu bezeichnen.Da schleicht sich der Verdacht ein, dass  auch an die Bestattungsunternehmer und Sarghersteller als künftige Wähler gedacht wird.
 Wenn die Leute schon die "Billigvariante" eines Lebens haben, weil habgierige Aktionäre und Firmeninhaber schwerarbeitende Gärtner, Bauarbeiter, Postausträger oder Verkäufer/innen so miserabel entlohnen, dass es zum Leben und zum Sterben zu wenig ist, und wenn diese dann krank sind,  keine teuren Extra-Leistungen drin sind, dann sollen sie es doch wenigstens bei der Beerdingung mal so richtig krachen lassen, selbst wenn man sich das Geld dafür leihen muss. Sonst würde der Dorfpfarrer ihnen noch einzureden versuchen sie wüssten ja nicht, dass es sich bei einer Bestattung "immer um den Abschied von einem nahestenden Menschen handelt"(Zitat-Reusch-Frey). So ein richtig schlechtes Gewissen sollen die bekommen. Damit kennt sich die Kirche gut aus!
           
                                                    mit genügend Asche zu Staub

Was bei der ganzen Sache übersehen wird, ist die Tatsache, dass nur knapp 67% der Landesbewohner Christen und 5,6% Muslimen eben auch mehr als 25% Konfessionslose gegenüber stehen. Den Rest teilen sich Mitglieder von Freikirchen, Buddhisten,Hindus und Juden, letztere nur verschwindende 0,08%.  Agnostiker und Atheisten werden ständig ermahnt gläubige Christen, Muslime und Juden zu respektieren, damit diese nicht  beleidigt sind, weil sie sich nicht genügend gewürdigt fühlen. Wer nimmt eigentlich auf die Gefühle der Religionslosen und Freidenker Rücksicht und respektiert deren Rationalität?

Wenn es einem Moslem oder Juden erlaubt sein soll seine Verstorbenen nach islamischem Glauben zu bestatten und auf einen Sarg zu verzichten, dann kann der Freidenker auch für sich fordern aus anderen Gründen, z.B der Umwelt zuliebe, seinen Opa in einem Tuch einzuäschern.


                                                  Muslimische Gräber in Süd-Deutschland


Gleiches Recht für alle! Entweder eine Landesregierung hält es ethisch für vertretbar Menschen ohne Sarg zu bestatten oder nicht. In jedem Fall muss die Entscheidung  jedoch für ALLE Bürger im gleichen Maße gelten.

Weshalb soll auch das "Ewige Ruherecht" nur für Juden und Moslems gelten? Wie ist es mit dem Ruherecht unserer eigenen Oma bestellt? Wer nicht von vornherein ein Familiengrab teuer kauft, und alle 15 oder 20 Jahre neu bezahlt, der hat erst gar keine Chance auf Verlängerung. Sieht so Gleichheit vor dem Gesetz aus?


                                          so sehen Friedhöfe in der Türkei aus
                                          einmal begraben-nie wieder besuchen

Es darf nicht am Ende die Frage stehen:"Wie hälst Du's mit der Religion?" Es darf ebenfalls nicht sein, dass das letzte Wort des Abgeordneten Thomas Reusch-Frey, der in seiner Vor-Abeordnetenzeit mal Pfarrer war wie unser Bundespräsident, die Feststellung ist: "Allein die religiöse Begründung für die Bestattung in Tüchern zählt!" Hierzu gibt es dann noch ganz praktisch einen Bibelvers für den frommen Christen zur Begründung.

Ich möchte aber nicht am Ende meines Lebens oder das meiner Angehörigen beim Bestatter erst auf eine Bibelstelle verweisen müssen, damit mir die gleichen Rechte wie meinen muslimischen Mitbürgern zuteil werden.

Da fühle ich mich als Freidenker nicht ernst genommen und ungenügend respektiert. 

Wenn man berücksichtigt wie viele unterschiedliche Bestattungsrituale gerade bei Bevölkerungsgruppen, die in unser Land zugewandert sind, verbreitet sind, muss man sich schon fragen, warum Gesetze im 21.Jahrhundert in einem weltlich-orientierten Staat partout religiös ausgerichtet sein müssen. Es gibt Bestattungen auf Scheiterhaufen, auf Bäumen, in hohlen Bäumen, auf Türmen, wo die Toten von Mönchsgeiern in den Himmel getragen werden sollen. In manchen hinhuistischen und buddhistischen Strömungen erfordert  die Totenwürde eine tage-oder wochenlange Aufbahrung zu Hause. Wenn man so absolut religiösen Wünschen nachgehen muss? Dann bitte! Wer bestimmt hier, auf welche Gefühle Rücksicht zu nehmen sind und auf welche nicht? Vermutlich nur auf die der Mitbürger, die am lautesten beleidigt sind?

Man sollte die Kirche im Dorf lassen und nicht in den Landtag tragen, sonst ist bald die Teilung von Staat und Kirche aufgehoben. Das wollen wir ja alle nicht. Sonst müssten wir am Ende noch die Tschadorpflicht für Frauen aus dem Iran und das Fahrverbot für Frauen aus Saudi-Arabien bei uns einführen, weil es ja bei denen so üblich ist. Warum nicht gleich noch die Erlaubnis afrikanische Mädchen beschneiden zu lassen, damit sie dafür nicht extra nach Afrika fliegen müssen, wie man ja auch die Knabenbeschneidung ohne jegliche Betäubung erlaubt hat. Eine fadenscheinige Begründung ist das. In Wahrheit hat die deutsche Politik zu wenig Sebstbewußtsein um nach dem Gewissen zu entscheiden, weil dann wieder so viele religiös-begründet beleidgt sind. Dann laßt sie halt beleidigt sein, wie Kinder, die vor dem Schlafen keine Schokolade mehr bekommen.

Ich fordere von der Politik gleiche Gesetze für alle Menschen, denn wir leben in einer freiheitlich-demokratischen Republik und nicht in einem Kirchenstaat. Keine Sharia in Deutschland!

                                          Prost Landesregierung!

Also bitte, liebe Landesregierung überlegt Euch das noch mal ganz genau mit unterschiedlichen Gesetzen für verschiedene Religonen. Ich weiß wirklich nicht, wo so was endet?! Ich will in einem laizistischen Staat nicht auf Ämtern nach meiner Religion gefragt werden! Das ist reine Privatangelegenheit und gehört nicht in die Politik, selbst wenn ein Bundespräsident und ein Landtagsabgeordneter mal Pfarrer waren. 


Siehe auch:

     

Kommentare:

Julius Klement hat gesagt…

Ich möchte mit den Kollegen demnächst einen Skiurlaub unternehmen. Wissen aber noch nicht in welchem Hotel. Der Artikel wird mir sehr weiter helfen danke! Bisher spielen wir mit dem Gedanken bei dem hier zu buchen: http://www.stanton-apartments.at/

Julius Klement hat gesagt…

Meine Großeltern sprechen schon über ihr Ableben und ihre Bestattung. Was verständlicherweise, mir sehr unangenehm ist. Sie haben auch u.a. die Feuerbestattung erwähnt. Bisher bin ich auf diesen Bestatter gestoßen, der alle möglichen Bestattungsarten anbietet.