Freitag, 11. April 2014

Inklusion ad absurdum

                 Geistigbehinderte ins Gymnasium?

Als ich Anfang der 60er Jahre eingeschult wurde, waren zum Teil immer noch rückwärts-gewandte, gesinnungs-belastete, unverbesserliche Lehrer aus dem "Tausendjährigen Reich" an der Grundschule tätig. Trotzdem wurden wir nicht nur zu Hause sondern gerade auch in der Schule dazu erzogen, Behinderte nicht auszulachen, nicht mit offenem Mund hinterher zu glotzen, vielmehr freundlich zu fragen ob man eventuell helfen kann.
                                          nennt man in Österreich immer noch so


Mit der Intention allen möglichen Behinderungen  gerecht zu werden, alle Kinder bestmöglich zu fördern, wurden für die unterschiedlichsten Behinderungen Sonderschulen gegründet. Als es noch keine speziellen Sonderschullehrer gab, nahm man die besten Pädagogen aus den "Volkschulen", die alten  Nazis hingegen  überließ man getrost den "normalen" Kindern. In der Folge wurden, und werden noch immer, massenweise Sonderpädagogen ausgebildet.

Grundschulen auf Dörfern wurden, und werden noch immer, geschlossen. Die Kinder mußten, und müssen noch immer, zum Teil weite Strecken mit dem Bus fahren.

Nachdem die Länder nun massenhaft Geld in neue Sonder-Schulen und die Ausbildung der Lehrer gesteckt haben, kam es allmählich in Mode, Behinderte doch lieber wieder mit allen anderen Kindern zusammen zu unterrichten. Dabei spart man auch eine Menge Geld.. Die Sonderschulen sollen alle wieder geschlossen werden. Die noch vorhandenen Sonderpädagogen steckt man dann eben in die Regelschulen irgendwo dazwischen.Wer glaubt eigentlich, dass es sinnvoll ist, wenn während laufender grammatikalischer Diskurse ein bis zwei Sonderpädagogen einige geistig-behinderte Kinder daneben im selben Raum bespaßen?  Das ist jetzt modern und nennt sich Inklusion.

Ich halte es auch für gesunde Kinder sehr wichtig, dass sie mit behinderten Kindern Kontakt haben, damit sie lernen sich im Urlaub nicht zu beschweren, wenn im selben Hotel  auch Behinderte wohnen.
Sie können lernen zu helfen und Toleranz zu üben. Das trifft in Grundschulen wahrscheinlich für geistig-behinderte genauso wie für körper-behinderte Schüler zu. Aber-- würde ich sagen, es kommt auf den Grad der Behinderung an. Es spricht überhaupt nichts dagegen körperbehinderte Kinder in weiterführenden Schulen zu zulassen, wenn deren kognitive Fähigkeiten das erlauben.

 Was da jedoch gerade in Walldorf bei Heidelberg in Baden-Württemberg geschieht, übersteigt wirklich das Erträgliche an Unvernunft.
Die Inklusion ad absurdum geführt ist doch, wenn übereifrige Eltern (Medienfrau vom SWR) glauben, sie müssten für ihr geistig- behindertes Kind mit Down-Syndrom einen Besuch des Gymnsiums erstreiten, damit dieses Kind nicht traurig ist.  Vor 20 Jahren gab es schon Kinder, die traurig waren, weil sie von ihrem Grundschullehrer keine "Verbindliche Empfehlung" fürs Gymnsium bekommen haben, obwohl der Notenschnitt mit 2,3 das eigentlich vorgesehen hätte. Der Klassenlehrer, der gleichzeitig  Direktor besagter Dorfschule war, wollte auf Biegen und Brechen seine einzügige Hauptschule auf dem Dorf (ironischerweise ein Nachbarort von Walldorf) vor der Schließung bewahren. Aus der gesamten Klasse bekamen gerade mal 2 Kinder eine Empfehlung für das Gymnasium, 2 für die Realschule, der gesamte Rest wurde zwangsweise in die Hauptschule verfrachtet. Diese Maßnahmen riefen bei den meisten Kindern und deren Eltern ebenfalls Trauer hervor. Doch damals hatte ein Lehrer noch das letzte Machtwort über die Zukunft der Kinder, welches Frau "Ehren-Doktor-Schawan" unbedingt beibehalten wollte, als sie noch in Baden-Württemberg störte. Diese "Grundschulempfehlung", die in Wahrheit eine Vorschrift war, wurde endlich abgeschafft, was der Einsicht vieler Eltern offensichtlich nicht besonders zuträglich war, wie man am Beispiel Henri aus Walldorf gut erkennen kann.

                                                     Zutritt verlangt eine gewisse Intelligenz

Solange es Schule gibt, waren Kinder traurig, wenn sie das Gymnasium nicht besuchen durften, es wieder verlassen mussten oder eine Klasse wiederholen mussten, und deshalb von ihren Freunden am Vormittag getrennt waren. Das gleiche gilt übrigens auch für die Realschule, die ja nun quasivor der Exekution steht.

Es stellt sich die Frage ob die guten Freunde eines "Trisomie-21-Kindes" in einem Jahr de facto immer noch die Freunde dieses Kindes sein werden. Bei allen Kindern werden in diesem Alter neue Freundschaften geknüpft. Oder will man diese Kinder auch per Petition zu ewiger Freundschaft zwingen? "Du musst aber mein Freund sein!!" So lange ich denken kann, haben Grundschullehrer den Eltern samt Schülern bereits lange vor dem Übertritt in eine andere Schule eingehämmert, die Entscheidung für die Schulwahl nicht von der der Schulfreunde abhängig zu machen. Das macht auch Sinn. Denn im späteren Leben kann man sich auch nicht bei jeder Entscheidung nach seinen Freunden richten. Oft entscheiden andere  Faktoren der Umwelt über die schulische Zukunft.

Wir wollen auch bei unseren Freunden sitzen
                                                   


Wie lange soll ein solches Kind in einer höheren Schule durchgezogen werden, während Klassenkameraden verständnislos daneben stehen, die die Schule verlassen müssen, weil die Noten nicht mehr stimmen? Gerechterweise müssten in Folge Notengebung und Sitzenbleiben abgeschafft werden. Der Logik flogend müsste man nun alle Kinder ins Gymnasium schicken und das Abitur ohne Prüfung, damit sich niemand zurückgesetzt fühlt, gleich hinterher.
  Soll im Latein-Unterricht und bei Kurvendiskussionen noch ein Sonderpädagoge im selben Raum eine Gruppe Behinderter ruhig stellen? Wer soll für Ruhe sorgen, damit die anderen sich auf das Französisch-Diktat konzentrieren können? Da lernt man als Eltern und als Schüler seit Jahrzehnten, dass es nicht gut ist, wenn bei Radiohören und Fernsehen Hausarbeiten gemacht werden, weil man sich dabei bekanntlich nicht konzentrieren kann. Mit der modernen Inklusion kaspert die Ablenkung in Form von ADHS, Tourette-Syndrom, Down-Syndrom und dissoziativen Störungen mitten durch den Mathematikunterricht. Wie soll da noch jemand effektiv lernen können? Es gibt bereits jetzt schon genug verhaltensgestörte Schüler ohne geistige Beeinträchtigung, die einen erfolreichen Unterricht unmöglich machen.
Die Leistungen all dieser Kinder fließen dann mit in die sog. PISA-Studie ein. Da kann sich der deutsche Michel gleich wieder selbst mit Vorwürfen kasteien. Woran das wohl liegen mag?

                                          Ich kann auch nicht Lesen und Schreiben und hab trotzdem Abitur
  

Haben diese ehrgeizigen Eltern auch nur einen einzigen Gedanken an andere Kinder verschwendet?
Wollen sie nach 9 Jahren auf die gleiche unverschämte Weise für ihr geistig-behindertes Kind das Abitur erkämpfen, am besten noch mit der Bestnote?  Danach geht es dann gleich weiter und sie fordern unter Drohungen einen Studienplatz und danach am besten noch eine Professur. Mit Gewalt und Nachdruck und dem Hinweis auf Inklusion wird dann alles möglich, außer natürlich für normale Kinder, für die gelten die üblichen Regeln.

Zu meiner Schulzeit war man stolz auf das deutsche Schulsystem. Wir waren wirklich froh, dass die öffentlichen Schulen, wenn auch nicht perfekt, in Deutschland eine private parallele Schulwelt überflüssig machten. Nicht wie in England und USA, wo die Menschen für die Schulbildung ihrer Kinder schon ab der Grundschule viel Geld investieren musste ( und immer noch müssen), wenn man qualifizierten Unterricht erwartete. Genau diese Zustände werden wir bei uns auch bald hin nehmen müssen, wenn wir uns nicht darum kümmern, dass öffentliche Schulen nicht nur einen höheren Bildungsstandart sondern auch eine gewisse Glaubhaftigkeit zurück gewinnen.

Wie realitätsfremd sind diese Eltern eigentlich? So dreist kann man doch nicht sein! Ich wette die Eltern von Henri sind in der x-ten Generation Akademiker und können sich einfach nicht damit abfinden, dass sie selbst ein Kind haben, das es mal nicht schafft. Möglicherweise befinden sich solche auch in deren Umfeld, die dieses Buschfeuer entzündet haben. Ein Tipp an solche Eltern: "Liebt eure Kinder, wie sie sind!" Einem geistig-behinderten Kind tut man mit solchen Lächerlichkeiten keinen Gefallen.

                                          Manchen ist einfach nicht zu helfen


Der grünen Landesregierung muss man dringend mit auf den Weg geben. Bitte, strapaziert die Geduld eurer Wähler nicht mit derart lächerlichen Dingen. Solche Forderungen kann man nicht ernsthaft diskutieren.
Ein Gymnsium dient der Wissensvermittlung und war noch niemals ein Bespaßungs-Unternehmen.
Von Behinderten-Beauftragten in Berlin darf man sich nicht zu absurden Handlungen erpressen lassen.

Was da gerade in Deutschland mit der Bildung geschieht, grenzt schon an Schizophrenie. Die Kinder sollen immer früher immer schneller lernen. Englisch und Schreiben, Mathematik und Naturwissenschaften schon im Kindergarten. Spielen? Fehlanzeige! In den "Weiterführenden Schulen" mehr Stoff in weniger Schuljahren, aber dafür mit modischer Inklusion von Geistig-Behinderten. Da kann man sich wirklich nur noch die Haare raufen. Ja sind denn die alle bekloppt? Sind womöglich am Kultusministerium auch schon Unterbelichtete zu Gange, deren Eltern die Arbeitsstelle für sie erstritten haben, ohne dass wir das bemerkt haben?

                                                                   Verleiht Flügel


Ich hoffe inständig, dass endlich mal jemand diese Eltern zur Seite nimmt und Tacheles mit denen redet.
Warum schickt Ihr Euer Kind statt in Walldorf nicht lieber an eine Waldorf-Schule? Dort schafft es bestimmt mit Namen-Tanzen und Hamster-Streicheln auch das Abitur.
 In ganz fataler Weise erinnert mich diese Posse an ein Lied aus den 60er Jahren. "Ein Loch ist im Eimer, Karl-Otto!" "Verstopf es, oh Henry!"
http://lsa.hessen.de/irj/LSA_Internet?cid=9687f8ef09355b923004e54ad5c894b8
http://www.rnz.de/ticker_regional/00_20140416145500_110661203-Inklusion_Gegenpetition_fordert_dass_Henri_nic.html
http://www.tagesspiegel.de/meinung/inklusion-gleich-ist-nicht-gerecht/9756076.html 
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/gymnasium-fuehlt-sich-zur-inklusion-gezwungen-aid-1.3287122 
http://rottweil.wordpress.com/2014/04/09/inklusion-ich-will-auch-das-abi/ 
http://rottweil.wordpress.com/2012/06/10/hitler-konnte-gymnasien-damals-auch-nicht-leiden-wie-heute-das-grune-forum-fur-rottwei
http://www.magistrix.de/lyrics/Medium%20Terzett/Ein-Loch-Ist-Im-Eimer-86579.html
http://rottweil.wordpress.com/2014/04/12/grunrot-macht-per-inklusion-gymnasien-kaputt/
http://www.deutschlandfunk.de/inklusion-darf-henri-aufs-gymnasium.680.de.html?dram:article_id=282616
https://de-de.facebook.com/ihre.sz/posts/607384272686289?stream_ref=10

Kommentare:

Frank Peter Röhl hat gesagt…

Warum keine Inklusion bei den Lehren?
Wäre doch prima. Ein Metzger und ein Maler, dazu noch ein Banker und ein Arbeitsloser. Besser kann der "repräsentative" Querschnitt kaum noch erfasst werde. Ja, vielleicht noch 2-3 RTL-Gucker. Dann ist es wirklich egal, welche Schüler in der Klasse sitzen. Der Staat spart sich die teure Lehrerausbildung und die Köpfe werden leerer. Vielleicht will das jemand so?
Wenn 1 Lehrer für 3 (fast) hoffnungslos Behinderte eingesetzt wird, frage ich mich, warum bisher für die lernschwachen Schüler nicht schon lange Lehrer in der gleichen Anzahl bereitgestellt wurden. Das wäre bestimmt deutlich sinnvoller und für die rohstoffarme Republik dringend nötiger, als der offensichtliche Unsinn, der mit der Inklusion erfunden wurde. Wer oder was dahinter steckt lässt sich nur vermuten. Sehr wahrscheinlich kommt das, wie vieles andere, aus einem degenerierten großen Land, das meint, die Welt muss alles machen was es will. Zum Glück gibt es noch ein paar Gallier, die gegen die Römer anstinken. Es werden immer mehr!

art-und-wort hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
art-und-wort hat gesagt…

"Nicht-Lehrer als Lehrer"- Das ist keine schlecht Idee. Manchmal könnten Quereinsteiger tatsächlich die besseren Lehrer sein, wenn man betrachtet welche Abiturienten ein Lehrerstudium anstreben. Das Beamtentum für Lehrer abzuschaffen ist dabei schon längst überfällig.
Mir leuchtet sowieso nicht ein, weshalb ein einzelnes geistigbehindertes Kind durch einen zusätzlichen "Extra-Wurst-Betreuer" in einer Gymnasialklasse unter dem schönen Begriff "zieldifferenziert" bespaßt wird, was nur unnötige Unruhe im Raum bringt. Warum nicht zusätzliche Lehrer für durchschnittlich-begabte Kinder, die vielleicht in einem einzelnen Fach mehr Hilfe brauchen? Manchmal braucht es nur eine andere Erklärweise in Mathematik, um eine Sachlage zu verdeutlichen. Das wäre sinnvoll und es würde einigen Schülern das Abitur ermöglichen, die durch die Inklusion noch mehr ihrer Chancen beraubt werden durch ein heilloses Chaos mit Geistigbehinderten im selben Zimmer.
An unserem hiesigen Gymnasium sass so manch ein Lehrer gelangweilt in Hausschuhen am Pult und zog ohne Zwischenfragen zu erlauben seinen Senf durch, wenn er denn überhaupt anwesend war. Die meiste Zeit des Schuljahres ging er seinen privaten Geschäften nach. Wenn ein Kind mal krank war, hieß es nur, die Eltern sollten sich einen Nachhilfelehrer suchen, weil der Lehrer keine Lust hatte, etwas noch einmal zu erklären. Die Lehrerstelle war da nur ein Zusatzeinkommen, für das man keinen Finger krumm machen musste. Die damalige Kultusministerin Schawan wollte diesen Mann nicht an die Luftt setzen. In so einem Fall wäre ein zweiter Lehrer, der für alle Schüler bereit steht, sehr hilfreich. Solche miesen Lehrer gibt es leider häufiger als Kinder mit Down-Syndrom.
Die Sonderschule in denselben Raum wie höhere Mathematik zu holen ist eher kontraproduktiv für alle Beteiligten. Die Schule darf auf keinen Fall durch die Geltungssucht einer Medienfrau vom SDR, die die Behinderung ihres Sohnes zum Vorantreiben ihrer beruflichen Karriere instrumentalisiert, zum Nachgeben gezwungen werden. Sie würde dazu beitragen, dass öffentliche Schulen in der Bevölkerung nicht mehr ernst genommen werden. Die Folge wird sein, dass jeder, der nur irgend kann, sein Kind in eine Privatschule schickt. Diese werden demnächst wie Pilze aus dem Boden schießen. Womöglich wird dadurch aber auch erreicht, dass für Gymnasien wieder, wie ehemals, Aufnahmeprüfungen eingeführt werden. Diesen Stress haben die gesunden Kinder dann solchen vom Ehrgeiz zerfressenen Wichtigtuer-Müttern zu verdanken.
Der Staat und das Land tragen auch die Verantwortung für die Schul-Bildung normal entwickelter Kinder. Inklusion ja, aber nur wenn es Sinn macht. Ich hoffe die Zuständigen kapieren das und lassen sich nicht einschüchtern.

art-und-wort hat gesagt…

Es muss natürlich "SWR" heißen, SDR hieß es früher mal